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Mehr als zwei Geschlechter, eine komplizierte Angelegenheit

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Der Versuch einer persönlichen Klärung

Gibt es auch als Podcast

Bin ich diskriminierend, wenn ich nicht in allen Punkten mit der Forderung von Aktivisten und Aktivistinnen übereinstimme?

In meiner persönlichen Situation als Director of Education für ein Unternehmen, das weltweit als Ziel Frauen durch Laufen und Bildung zu stärken (empowern) hat, ist es unabdingbar sich mit der Thematik rund um die Genderdiskussion intensiv zu beschäftigen. Seit gut zehn Jahren geht es uns darum geschützte Räume für Frauen zu schaffen, damit sie sich ohne Leistungsdruck und Scham körperlich und geistig bewegen können. Wir haben unser Statement klar definiert. Es geht um Frauen, aber was sind Frauen? Gerade im Leistungssport findet seit Jahrzehnten eine heftige Diskussion statt, welche Personen zu den Frauen dazugehören und welche nicht. Mittlerweile ist es eine politische Diskussion, denn es geht in vielen Dingen um Diskriminierung. Selbstverständlich führt es auch zu einer Rechtsfrage, die in unterschiedlichen Ländern anders behandelt wird. Am Recht führt kein Weg vorbei, auch wir müssen uns daran halten. Wie wir damit umgehen, welche Bedeutung die Genderdiskussionen für unsere Arbeit hat, das ist eine bedeutende Herausforderung für unser Team. Was also tun, haben wir uns im Vorstand gefragt. Als erstes haben wir uns vorgenommen mehr über die Thematik zu erfahren. Ich habe in den letzten Wochen viel darüber gelesen und recherchiert. Zusätzlich haben wir eine renommierte Expertin auf dem Gebiet einbezogen und einen Workshop bei ihr gemacht. Kirstin Mertlitsch ist Senior Scientist (Postdoc) und Leiterin des Universitätszentrums für Frauen- und Geschlechterstudien an der Universität Klagenfurt. Wir haben viel über die Thematik erfahren und doch blieben bei mir tausend offen Fragen und Anmerkungen. Zu Beginn ging es um Begriffe und deren Definitionen. Es fiel der Begriff FLINT.

Die FLINTer Gruppe

Der Begriff FLINT steht für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre und trans Personen – also Personen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität patriarchal diskriminiert werden.

Zitat Quelle Fint:

„FLINT beschreibt nicht die sexuelle Orientierung, sondern geschlechtliche Identitäten und macht somit die soziale Komponente des Geschlechts sichtbar.

FLINT-Räume sollen als Schutzräume für Menschen dienen, die aufgrund ihrer Genderidentität diskriminiert werden und dabei nicht der patriarchal konstruierten, zweipoligen Logik von „Mann und Frau“ entsprechen. Wichtig ist darin vor allem die Solidarisierung mit den jeweils anderen Perspektiven und das Bewusstsein, dass man den feministischen Kampf nur gemeinsam führen kann. FLINT ist also eine tolle Errungenschaft (queer-)feministischer Kämpfe und klingt dabei sogar super catchy.“

Unsere Expertin hat ebenfalls mehrfach betont, dass wir in einer patriarchalischen Gesellschaft leben und daher Schutzräume für Flinter brauchen. Ich mag diesen Ansatz nicht besonders. Es richtet sich hauptsächlich gegen Männer, verurteilt diese mehr oder weniger direkt und entlässt Frauen aus der Verantwortung der patriarchalischen Diskriminierung. Wer erzieht die Mädchen und Jungen, wer sorgt dafür, dass die stereotypen über starke Jungs und schwache Mädchen, die mit rosa Prinzessinnen und Puppen sich identifizieren? Nein, das lasse ich so nicht gelten. Diese ständigen versteckten oder offenkommunizierten Unterstellungen, Männer seien an der Misere schuld, ist der falsche Weg für eine erfolgreiche Weiterentwicklung in Sachen Genderverständnis. Derart geführte feministische Kämpfe sind aus meinem Verständnis kontraproduktiv. Ebenfalls ist die Behauptung, dass die zweipolige Logik von Mann und Frau allein der Verantwortung einer Patriarchalgesellschaft zuzuordnen ist, absoluter Nonsens.

Eine neutralere Sichtweise der FLINTER-Bewegung, wäre sicher viel produktiver. Ich verstehe es gut, wenn Menschen, die sich als Frauen identifizieren, ganz gleich welche biologische Natur sie haben, einen Schutzraum für sich beanspruchen. Nichts anderes haben wir in unseren Laufclubs. Das gilt gleichermaßen für sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Herkunft, Glaube, usw. Wir haben es in unserer Welt überwiegend mit Frauen, die sowohl biologisch als auch identitär sich als solche definieren. Jetzt kommen weitere Varianten hinzu und darauf müssen wir uns weiterentwickeln. Das bedeutet, wir müssen uns besser und intensiver mit der neuen Herausforderung auseinandersetzten. Ich habe für mich versucht einen Überblick der Problematik zu bekommen. Aus meinem Verständnis müssen wir die Dinge rund um Genderfragen differenzierter betrachten. In den vielen Beiträgen, die ich gelesen habe, wurden meistens verschiedene Ebenen durcheinandergebracht.

Die Biologische Ebene

Die Biologie wird in der Diskussion gerne instrumentalisiert um als Beweis für eine Mehrgeschlechtigkeit zu benutzen. Ich möchte hier auf einen kürzlich erschienenen Artikel der Süddeutschen Zeitung verweisen.

Quelle: Artikel Eins, zwei viele

Zitat: „Geht es um die Fortpflanzung, werden in der Biologie genau zwei Geschlechter unterschieden, männlich und weiblich. Was ist also gemeint, wenn von „mehr als zwei Geschlechtern“ gesprochen wird?

Hier wird ausführlich die Unterscheidung von biologischem Geschlecht und sozialem Geschlecht erklärt. Führende Biologen und Biologinnen sind überzeugt, dass es biologisch nur zwei Geschlechter gibt. In sehr seltenen Fällen (unter 1%), können Formen sogenannter Intersexualität, also von Menschen mit primären oder sekundären körperlichen Merkmalen, die zwischen den typischen Geschlechtern liegen oder eine Mischung dieser Merkmale tragen. Diese Meinung veranlasste die britische Wissenschaftsjournalistin Claire Ainsworth 2015 einen vielzitierten Beitrag in Nature zu verfassen unter dem Titel „Geschlecht neudefiniert. Sie erklärte:

„Einige Biologenwürden heute eher von einem breiteren Spektrum ausgehen als von zwei Geschlechtern. Vor ihr hatte bereits die amerikanische Entwicklungsgenetikerin Anne Fausto-Sterling für die Erweiterung des Spektrums der Geschlechterkategorien gefordert, nachdem durch immer neue Erkenntnisse klar geworden war, wie komplex die Geschlechtsentwicklung ist.“

Auch unsere Expertin verwies auf diesen Artikel und meinte es gebe biologisch nicht nur Mann und Frau. Für mich ist das ein typischer Fehler, der immer wieder gemacht wird. Halbweisheiten werden oft ohne Legitimation als Argument unter dem Deckmantel der Wissenschaft zweckentfremdet missbraucht. Im selbigen Artikel geht es primär um eine Klarstellung des biologischen Geschlechtsverständnisses. Natürlich ist es problematisch biologische Intersexualität als Krankheit zu bezeichnen. Tatsache ist, dass es deswegen vorkommt, weil etwas schiefgegangen ist. Deswegen sind diese Menschen nicht abartig oder weniger Wert. Genau hier liegt ein großes gesellschaftliches Problem vor. Diese ewigen Verurteilungen zeigen, wie schlecht wir mit inneren Konflikten durch Normabweichungen umgehen können. Wir werten auf oder ab, je nachdem, wie es uns gerade passt. Dabei sind wir einfach nicht in der Lage rational und emotional die Realität zu akzeptieren. Es gibt biologisch bedingte Ausnahmen, die sich von der Mehrheit unterscheiden und das hat nichts mit dem Wert und der Würde eines Menschen zu tun. Biologen definieren intersexuelle Personen als Ausnahmen, ohne einen diskriminierenden Hintergrund zu unterstellen. Marie-Luise Vollbrechts Vortrag über Geschlecht an der Humboldt-Universität zu diesem Thema musste wegen Protesten abgebrochen werden. Hier wird es klar, wie emotionsgeladen die Diskussionen geführt werden. Es geht nicht um rationales Verständnis der Materie, sondern um Kampf und Eigeninteressen.

Die Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht hielt im Fritz-Reuter-Saal ihren bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ vor 14 Tagen abgesagten Vortrag „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht: Sex, Gender, und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“. Vor dem Gebäude am Hegelplatz stand ein Polizeibus mit mehreren Beamten; im Foyer führten Fernsehjournalisten Interviews; und auf dem Weg in den dritten Stock mussten Besucher zwei Kontrollpunkte passieren, an denen die Namen mit der Anmeldeliste abgeglichen wurden. Das zeigt, wie brisant und hochentzündlich die Genderthematik ist und unsere Gesellschaft beschäftigt. Leider zeigt es auch, wie schlecht wir mit anderen Meinungen umgehen können. Sofort werden böse Absichten unterstellt, entsetzten an den Tag gelegt und vor Allem – Beschuldigungen ausgesprochen.

Biologisch gibt es zwei Geschlechter + intersexuelle Varianten

  • weiblich
  • männlich
  • intersexuell

 

Die soziale Ebene / Gender Identität

Hier geht es um den Aspekt wie ich meine eigene Identität definiere. Ich persönlich bin der Ansicht, dass diese Ebene völlig getrennt von der biologischen Ebene betrachtet werden muss. Diese Entkoppelung ist eminent wichtig für das Verständnis von Gender. Ebenso sollte die sexuelle Orientierung hier nicht vermischt und eingebracht werden. Das sind 3 verschiedene Paar Stiefel, die nichts miteinander zu tun haben. Daher ärgert mich die öffentliche Diskussion sehr, denn genau das tun Politiker, viele Feministinnen und Interessengruppen ganz gezielt.

Es gibt Identitäten, die unabhängig vom biologischen Körper oder der sexuellen Orientierung definiert werden. Dementsprechend gibt es drei unterschiedliche mögliche Eintragungen. Bei der Interebene gibt es drei weitere Kategorien (divers, offen und kein Eintrag). Diese Unterscheidungen gelten ausschließlich für die Interebene. Eine weitere Tatsache ist, dass in Deutschland die Gruppe der nonbinaries / nichtbinären (Bergriff erkläre ich später) auf der sozialen Ebene nicht berücksichtigt werden. Eigentlich sollte es vier statt drei Geschlechter geben.

  • weiblich
  • männlich
  • inter
    • divers
    • offen
    • kein Eintrag
  • (nichtbinär) ist rechtlich nicht vertreten und daher für Einträge in Personalausweise nicht möglich

Wer genauer die Interebene verstehen möchte, muss sich mit vielen unterschiedlichen Definitionen auseinandersetzten. Auch hier habe ich viele Erklärungen vorgefunden, bei denen körperliche und soziale Aspekte vermischt werden. Ganz wichtig ist zu wissen, dass der Begriff Intersexualität ein rein medizinisch-biologischer Begriff ist und sich auf den Körper bezieht. Das sind Menschen, die weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale besitzen. Eine weitere Tatsache ist, dass in Deutschland die Gruppe der nonbinaries / nichtbinären (Bergriff erkläre ich später) auf der sozialen Ebene nicht berücksichtigt werden. Eigentlich sollte es vier statt drei Geschlechter geben.

Gesetzliche Grundlagen in Deutschland (richtet sich nach Genderidentität)

Es sieht derzeit so aus, dass die Gesetzgebung die soziale Identität über alle anderen Ebenen stellt. Das bedeutet, dass wenn sich eine Person, egal welche biologische oder sexuelle Orientierung sie hat, sich einer Gruppe zuordnet, damit gilt als solche gilt. Das ist absolut verständlich, wenn man es von der persönlichen Entscheidungsfreiheit, wie man sich fühlt und als was man sich identifiziert, betrachtet. Gesellschaftspolitisch ist das nicht so einfach, denn es wird für den bestehenden Strukturen eine gewaltige Umstellung abfordern. Ich glaube, dass die Mehrheit der Menschen dadurch absolut überfordert sein werden. Ob die Diskriminierung dadurch reduziert wird? Ich glaube eher nicht, aber das soll hier nicht thematisiert werden. Tatsache ist, dass die Gesetzte einzuhalten sind und wenn das Gesetz besagt, dass ein biologischer Mann, der sich als Frau oder als inter definiert, dann ist es so zu respektieren. Ich befürchte, die Folgen einer solchen Gesetzgebung werden viel Geld und Leid mit sich bringen. Wir brauchen mehr Zeit und Wissen, um eine vernünftige, gemeinsame, für alle Seiten tragbare Lösung zu finden.

Gesetzliche Grundlagen in Österreich (richtet sich nach biologischer Ebene)  Quelle

In Österreich ist die Grundlage der Gesetzgebung ausschließlich an der biologischen Ebene gebunden. Das erscheint mir problematisch und ich glaube es wird in Zukunft hier auch auf das deutsche Rechtsmodell umgestellt werden müssen. Die Hürden für eine Änderung der Geschlechtsidentität sind sehr hoch. Dabei wird zwischen Transsexualität und Intersexualität unterschieden.

Transsexualität
Eine geschlechtsangleichende Operation ist für eine Änderung des Geschlechts in Österreich keine Voraussetzung. Nach der höchstgerichtlichen Judikatur im Zusammenhang mit Transsexualität ist für die Änderung des Geschlechtes ein irreversibles Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht und eine deutliche Annäherung an das äußere Erscheinungsbild des anderen Geschlechts gefordert (VwGH 15.09.2009, 2008/06/0032, VwSlg 17746 A/2009). Dies kann in aller Regel nur durch Einholung eines Sachverständigengutachtens ausreichend geklärt werden.
Die MA 63 (→ Stadt Wien) legt für antragstellende Personen folgende grundsätzliche Voraussetzungen für die Änderung des Geschlechts bei Transsexuellen fest:

Ein Gutachten einer Fachärztin/eines Facharztes für Psychiatrie oder einer Psychotherapeutin/eines Psychotherapeuten oder einer klinischen Psychologin/eines klinischen Psychologen, das Folgendes enthält:

  • Erklärung, dass ein Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht besteht und dieses aller Voraussicht nach weitgehend irreversibel ist
  • Mitteilung, dass eine deutliche Annäherung an das äußere Erscheinungsbild des anderen Geschlechts zum Ausdruck kommt

Intersexualität
Mit der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofs wurde festgestellt, dass es eine weitere, vom männlichen und weiblichen Geschlecht biologisch verschiedene Geschlechtskategorie (Intersexualität) gibt. Diese intersexuellen Personenhaben ein Recht auf Eintragung ihrer Geschlechtskategorie (= sog. „3. Geschlecht“) im Personenstandsregister (VfSlg20258/2018). Für die Eintragung der Geschlechtskategorie stehen die Begriffe „divers“, „inter“ oder „offen“ zur Verfügung. Weiters ist auch eine Streichung des Geschlechtseintrags möglich. Nach den Vorgaben der höchstgerichtlichen Judikatur kann ein Antrag auf Eintragung einer intersexuellen Geschlechtskategorie unter folgender Voraussetzung bewilligt werden:

Vorlage eines Fachgutachtens mit der Darlegung, dass das Geschlecht der antragstellenden Person auf Grund ihrer chromosomalen, anatomischen und/oder hormonellen Entwicklung weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden kann.

  • weiblich
  • männlich
  • intersexuell
    • divers
    • offen
    • kein Eintrag
  • (nichtbinär) ist rechtlich nicht vertreten und daher für Einträge in Personalausweise nicht möglich

Interessanterweise werden in der österreichischen Rechtssprechung die Unterkategorien divers, offen und kein Eintrag, unter den biologischen Begriff intersexuell definiert. Das hat mich anfangs sehr verwirrt. Ich glaube deswegen ist die Thematik so komplex. Wenn zwischen Deutschland und Österreich solche Diskrepanzen im Verständnis der Begriffe herrscht, dann kann man sich gut vorstellen, wie unterschiedlich es in anderen Kulturen und Gesellschaften ist. Ich denke man braucht lokale Experten, um sich nicht in anderen Ländern zu verzetteln. Laut unserer Expertin wird innerhalb EU der deutschen Rechtsprechung gerne gefolgt. Spanien und Italien sind da recht weit. Dafür gibt es Länder wie Polen, dort ist die Rechtssprechung sehr politisch und extrem konservativ. Ich glaube es wird noch sehr lange dauern.

Rechtslage USA

Und wie ist die Rechtslage in den USA, wo die Diskussionen erschreckende Ausmaße erreichen?
Soviel ich herausgefunden habe, gibt es keine allgemeingültige Rechtlage zur Genderfarge. Dafür viele Klagen, viele Geldforderungen und wenig Einigung. Ich würde sage – typisch USA.

Sexuelle Orientierung

Diese Ebene spielt für mich keine Rolle in der Gender-Diskussion. Mich nervt es, dass viele Lesben- und einige Schwulenbewegungen sich in die Genderdiskussion mit ihrer sexuellen Orientierung hinein reklamieren, als ob es nur um ihre Problematik ginge. Grundsätzlich verabscheue ich jegliche Instrumentalisierung von Problemstellungen für eigene Zwecke. Feministinnen, Lesben und Schwulenverbände sind nicht berechtigter als alle anderen Menschen sich für die Gendergerechtigkeit einzusetzen. Jegliche sexuelle Orientierung  ist für die Betrachtung des Genders unwichtig und betrifft nur die Person, unabhängig von der biologischen und sozialen Ebene. Natürlich werden Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung nach wie vor diskriminiert. In vielen Ländern gilt alles was nicht heterosexuell ist als Krankheit und wird teilweise als Straftat geahndet. Das ist unerträglich und zeigt mir, wie sehr Menschen sich vor Diversität fürchten. Sie fürchten sich, weil sie Angst haben die Kontrolle und somit ihre Macht in der Gesellschaft zu verlieren. Die Religionen sind da um keinen Deut besser, eine armselige Realität – voller Missbrauchsskandale und vielen Opfern.

Bei meinen Recherchen habe ich sehr viele unterschiedliche Definitionen vorgefunden. Ich habe daher eine ausgewählt, die mir verständlich erschien:  Quelle

  • heterosexuell: damit sind Menschen gemeint, die sich ausschließlich zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen.
  • homosexuell: so nennt man Menschen, die nur das eigene Geschlecht anziehend finden. Dafür werden auch andere Begriffe verwendet, zum Beispiel »schwul«, »lesbisch« oder »gay«.
  • bisexuell: Bisexuelle fühlen sich zu Männern und zu Frauen hingezogen.
  • pansexuell: Pansexuelle fühlen sich zu anderen Menschen hingezogen, ganz unabhängig davon, welches Geschlecht oder welche Geschlechter sie haben.
  • neugierig, interessiert oder »noch unentschlossen«: halb so wild, man muss sich nicht festlegen!
  • asexuell: mit diesem Begriff macht man deutlich, dass man eigentlich keine sexuelle Anziehung empfindet – egal welchem Geschlecht gegenüber.
  • queer: damit bringt man zum Ausdruck, dass man die gesellschaftlichen Normen von Heterosexualität, also die Beschränkung von Geschlecht auf die beiden Kategorien »Mann« oder »Frau«, ablehnt und sie nicht als wichtig für sich selbst erachtet. Genauere Recherchen folgen später im nächsten Kapitel.

Ganz besonders dankbar, bin ich für die Erklärung des Begriffes „queer“. Denn genau hier wird mir klar, dass diese Gruppe von Menschen sich gegen die konventionellen Rollen von Mann und Frau wehren, sie akzeptieren das nicht. Strengenommen hat das überhaupt nichts mir der sexuellen Orientierung zu tun und ist aus meiner Sicht ein Konstrukt, um auf diesem Wege gesellschaftspolitisch Einfluß zu nehmen. Für mich ist die Queergemeinschaft eine Interessengruppe und ganz sicher keine sexuelle Orientierung. Sie vertreten eine klare Botschaft, schafft die Kategorien Mann und Frau, schafft die Normen und Stereotypen ab. Das mag legitim sein, aber dann bitte nicht die jetzige Diskussion rund um Gender für diese Zwecke ausnutzen.

 

Was steht hinter dem Begriff LGBTIQ Quelle

Im Englischen entsprechend für Lesbian Gay Bisexual Trans Intersex Queer. Es gibt Kürzel, die nicht alle diese Bezeichnungen enthalten, und solche, die darüber hinausgehen (z.B. LGBTIQQ – das letzte “Q” steht dabei für “Questioning” also “in Frage stellend”). Die hinteren Buchstaben wurden historisch erst später hinzugefügt. Innerhalb der entsprechenden Communities herrscht Uneinigkeit darüber, wie breit Zusammenschlüsse sein sollen, bzw. auch darüber, ob die Praxis dem Anspruch gerecht wird, alle in den jeweiligen Kürzeln genannten Gruppen/Identitäten tatsächlich zu vertreten. Was ist denn damit gemeint, sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität? Um das zu verstehen, habe ich nach der Entstehung des Begriffes recherchiert. Zunächst kam im englischen LGB auf als Zusammenschluss von Personen mit den entsprechenden sexuellen Orientierungen im Kampf gegen Diskriminierungen. Dieser Sammelbewegung schlossen sich bald Gruppen von Transgender-Personen an, die sich nicht mit dem ihnen bei Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizierten (Cisgender). Die Kategorie „Transgender“ bezieht sich nicht auf die sexuelle Orientierung der Betroffenen, sondern auf ihre Geschlechtsidentität. Also ist es nun ganz klar; LGBTIQ ist eine Interessengruppe (Community) aus Menschen mit definierten sexuellen Orientierungen und aus Menschen mit bestimmten Identitäten. Hier ist es ähnlich wie bei den FLINTer Gruppen. Damit aber nicht genug, es wird noch komplizierter. Mit dem Aufkommen der Queer-Theorie schlossen sich queere Personen der Sammelbewegung an (LGBTQ). Im Folgenden wurde die Bezeichnung ergänzt mit „I“ für intergeschlechtliche Personen, dann mit „A“ für asexuelle oder agender Personen und schließlich mit einem Pluszeichen + oder Trans-Sternchen * als Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten (LGBTQIA*). Endlich komme ich dem Ursprung des Begriffes Queer näher. Die Queer-Theorie (englisch queer theory) ist eine ab Anfang der 1990er Jahre in den USA entwickelte Kulturtheorie, die den Zusammenhang von biologischem Geschlecht (englisch sex), sozialem Geschlecht (englisch gender) und sexuellem Begehren (englisch desire) kritisch untersucht. Hier wurden alle drei Ebenen zusammengefasst, die biologische  Ebene, die soziale Ebene und die sexuelle Orientierung. Die neuere Queer-Theorie beschäftigt sich nicht nur mit der Dekonstruktion von Sexualität, sondern mit allen Aspekten der Kultur in Bezug auf Geschlechter und Geschlechterrollen und eventuell daraus resultierenden Ausbeutungsverhältnissen. Als einer der wichtigsten Punkte wird dabei die radikale Offenheit des Begriffes queer genannt, der in zahlreichen Debatten immer wieder durch Gruppen neu angeeignet werden müsse, die inkludiert werden wollen (z. B. schwarze Lesben, die aus dem Landproletariat kommen; heterosexuelle Sympathisanten queerer Einstellungen usw.). Quelle
Was für ein Durcheinander, jetzt werden noch kulturelle Aspekte, Landproletariat und sonst noch hinzugeführt. Bei allem Respekt, spätestens hier steige ich aus. Ich stelle meine Recherchen bezüglich QUEER ein, denn diese Spur führt zur totalen Verwirrung der Geschlechtsfrage.

 

Was bedeutet Nichtbinäre Geschlechtsidentität (englisch nonbinary, kurz enby) Quelle

Es ist eine Sammelbezeichnung für Geschlechtsidentitäten aus dem Transgender-Spektrum, die sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich identifizieren, sich also außerhalb dieser zweigeteilten binären Geschlechterordnung befinden. Achtung: Mit biologischem Geschlecht oder Geschlechtsmerkmalen hat die Nichtbinarität einer Person nichts zu tun, auch manche intergeschlechtliche (Frauen und Männer) Menschen identifizieren sich als nichtbinär. Ich verstehe nichtbinär als viertens Geschlecht und würde sie unter der sozialen Ebene als eigenes Geschlecht zuordnen.

 

Fazit

Nach all meinen Recherchen, bin ich überzeugt, dass Wir Schutzräume für Menschen brauchen, die diskriminiert werden. Dazu gehören sicher Frauen und solche Menschen, die sich als Frauen identifizieren. Ich würde den Begriff Finter statt Flinter bevorzugen da, wie ich schon erwähnte Lesben auch Frauen sind und somit nicht doppelt berücksichtigt werden sollten, nur weil sie sich zusätzlich als Lesben outen. Gleichzeitig ist die wirkliche Herausforderung eher im Leistungssport und anderen Ebenen, wie z.B. in der Vergabe von Stipendien, eine gerechte Lösung zu finden. Wenn Männer sich problemlos als Frauen Identifizieren und dadurch durch ihre biologischen Voraussetzungen erfolgreicher als biologische Frauen sind, dann ist das Missbrauch! Eine biologische Frau hat dann große Nachteile zu befürchten und schon sind wir in einer erneuten Zwickmühle – die Antidiskriminierungsaktionen führen erst recht zur Diskriminierung der meisten Frauen. Eines ist klar, Missbrauch wird es immer und überall geben. Doch ich plädiere dafür, die emotionale Ebene in dieser Diskussion außen vor zu lassen und gemeinsam nach vernünftigen und fairen Lösungen zu kommen. Gerechtigkeit für alle, wird es nicht geben, denn das Leben ist nicht gerecht. Wir sollten aber zu einem gemeinsamen Konsens kommen. Gegenseitige Schuldzuweisungen führen dazu nicht. Wie gesagt, was wir brauchen ist Zeit, Geduld und die Bereitschaft  miteinander zu wachsen. Rasche Entscheidungen werden uns überfordern – wir sind ohnehin mit der ganzen Thematik hoffnungslos überfordert. Ich persönlich wehre mich dafür verurteilt zu werden, weil es mir schwer fällt einen rein biologischen Mann als Frau wahrzunehmen, weil dieser Mensch sich als Frau identifiziert; oder auch umgekehrt. Ich mag es Frauen als „Frau“ und Männer als „Herr“ anzusprechen – so habe ich es gelernt und für mich ist es korrekt und höflich es zu tun. Es fällt mir schwer meine Sprache komplett umzustellen, Menschen nur noch mit Vor- und Nachnahme anzusprechen und anzuschreiben, nur weil eine geringe Minderheit sich dadurch benachteiligt oder gar diskriminiert fühlt. Mir deswegen diese böse Absicht einer Diskriminierung zu unterstellen ist unsinnig. Ich brauche Zeit, um mich auf die neuen sozialen Forderungen einzustellen. Den anderen politisch und eigenzentrierten Schreihälsen, die sich als Anwälte der Betroffenen aufspielen, lautstark Gesellschaften, patriarchale Strukturen und auch Männer pauschal verurteilen, gilt meine tiefe Abneigung und Verachtung. Hört auf mit dem Finger auf Missstände zu pochen und tut was für euch mit euren eigenen Problemen. Ihr habt eine intrinsische Problematik, die ihr extrinsisch zu lösen versucht. Das erzeugt eine giftige, nicht zielführende Atmosphäre in der dringend notwendigen Diskussion. Diskriminierung heißt auch ganze Gesellschaften und somit die Mehrheit der Menschen pauschal zu verurteilen. Die Forderung nach Diversität kann nur dann eingelöst werden, wenn die Mehrheit der Menschen dazu in der Lage ist, diese zu tragen. Liebe Aktivisten und Aktivistinnen, ihr braucht nicht in rechthaberischer Manier für eure Überzeugungen mit eurem selbstvergebenen Persilschein aufzutrumpfen. Ihr seid weder besser noch schlechter als solche Menschen, die nicht eure Überzeugungen teilen. Wenn ihr was erreichen wollt, dann überzeugt uns mit Argumenten, Wissen und Leidenschaft; nicht mit Anschuldigungen, die uns ein schlechtes Gewissen machen sollen. Wertet uns nicht ab, um euch aufzuwerten. Wenn wir uns gemeinsam auf Augenhöhe begegnen, können wir es zusammen schaffen. Ich persönlich bin am Anfang eines Prozesses, der mich sicher lange und intensiv beschäftigen wird. Ich weiß noch nicht, wie ich meine eigene Haltung mit der neuen Situation rund um Genderfragen im Einklang bringen kann. Noch fehlt mir viel Wissen und Erfahrung in der Materie… und ich brauche Zeit für mich, um mit MIR klarzukommen und die Herausforderungen an meiner Person bewältigen zu können.

Zum Schluss möchte ich noch eines erwähnen. Ich glaube, dass die wirklich betroffenen Personen es sehr schwer haben in unserer Welt. Es muss für sie die Hölle sein. Ihnen gelten mein Respekt und meine Bewunderung, ihnen gegenüber möchte ich mich öffnen, sie verstehen, auf sie zugehen und sie unterstützen, wenn sie es wollen.

 

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