Skilanglaufen – Dynamischer Schwerpunkt

Achtsamkeit gegenüber der Sportart ist mit Arbeit und Mühe verbunden. Es geht nicht immer nur um schneller und weiter, sondern um die Schönheit der Bewegung. Wer darauf achtet, achtet auf sich selbst.

Ich bin kein schneller Skilangläufer. Mit Müh und Not schaffe ich 15km/h im Schnitt und das auch nur wenn es sich um halbwegs flaches Gelände handelt. Gut, ich bin gehandicapt, weil ich mich noch nicht richtig von meinen Krankenhausaufenthalten erholt habe. Aber eines ist mir viel wichtiger als Speed, nämlich die Lauftechnik. Langlaufen ist eine vielseitige, elegante und äußerst ästhetische Sportart. Ich liebe die Leichtigkeit, mit der gute Athleten und Athletinnen sich fortbewegen. In meinem Beitrag https://www.horstvonbohlen.com/skilanglaufen-skaten-klassisch-oder-beides/ , habe ich die unterschiedlichen Lauftechniken beschrieben. Ich selbst übe gerne die 1:1 Technik symmetrisch. Diese wird kaum von Freizeitsportler verwendet. Die meisten Kollegen und Kolleginnen stampfen von Anfang bis Ende einer Laufeinheit mit der 2:1 Technik symmetrisch. Dabei sollte diese Technik eher von absoluten Profis bei leichten Steigungen und flachen Gelände verwendet werden. In der Profiszene geht man doch zunehmend auf die 1:1 Technik über, weil diese letztendlich schneller und effektiver ist. Aber warum verwenden so viele die 2:1 Technik? Die Gründe sind leicht verständlich. Es ist einfacher mit der Koordination von Beinen, Rumpf und Armen. Diese Technik verzeiht viele Schwächen der Athleten und, ganz wichtig, man kommt als schlechter Athlet bei fehlender Technik schneller und weiter voran, als mit 1:1 Technik. Was die meisten tun ist nicht einmal eine saubere 2:1 Technik symmetrisch zu laufen, sondern eine Mischung aus 2:1 Technik symmetrisch und 2:1 Technik asymmetrisch mit schiefem, verdrehtem Oberkörper. Das Ergebnis ist grauenvoll. Es sieht nicht nur beschissen aus, sondern hat mit dem eleganten Gleiten des Langlaufens nichts zu tun. Es ist ein fürchterliches grobschlächtiges Gestampfe, dass tiefe Furchen in die Loipe schneidet; abgehackt, unästhetisch und absolut unökonomisch. Die Lauftechnik wird vergewaltigt. Ich schwöre, es tut mir weh, wenn ich von solchen Kollegen überholt werde. Nein, nicht weil sie schneller sind als ich, sondern weil ich glaube, dass sie es einfach nicht verstanden haben, was Skilanglaufen bedeutet. Sie könnten sicher ganz anders agieren, sich mit der Vielseitigkeit der korrekten Lauftechnik auseinanderzusetzen und für eine Umsetzung Mühe und Zeit nehmen. Ich bin mir ganz sicher liebe Kollegen und Kolleginnen – ihr würdet bei dem Krafteinsatz Quantensprünge in Sachen Leistung und Geschwindigkeitszuwachs schaffen. Ihr habt Kraft und Ausdauer, nutzt sie aber kaum. Als erstes müsstet ihr lernen nicht wie wildgewordene Wesen von einem Bein auf das andere zu stampfen und dabei Löcher zu graben, sondern richtig zu gleiten. Dafür muss man bei jedem Schritt den Schwerpunkt finden. Anders wie beim Stehen, muss in der Bewegung der sich ständig verändernde (dynamische) Schwerpunkt gefunden werden. Das das nicht ganz einfach ist, kann man leicht überprüfen. Je länge ich auf einem Bein fahren kann, desto besser meine Balance. Genau das vermeiden die meisten Skilangläufer mit verkorkster Technik. Sie powern mit einer hohen Schrittfrequenz, bleiben jeweils ganz kurz auf einem Ski (meistens nur auf der Innenkante), um sofort wieder mit neuer Brachialkraft den nächsten Pflugschritt einzuleiten. Eine Loipe ist kein Acker, der gepflügt werden muss! So vermeidet man am besten die wahren Schwächen zu offenbaren. Dieses Stakkatostolpern ist in den Loipen die häufigste Fortbewegung heimischer Skilangläufer– grauenhaft! Das schlimme dabei, die kommen sich großartig vor.

Während der Bewegung ändert sich ständig unsere Geschwindigkeit in allen drei Dimensionen. Durch diese Beschleunigungen und Verzögerungen entstehen Kräfte, die auf unser Körper wirken. Damit diese Kräfte uns nicht aus dem Gleichgewicht bringen, müssen wir lernen diese zu kompensieren. Langes Gleiten ist der beste Lehrmeister dafür. Dabei sollte auf die richtige Technik geachtet werden (Kopf-Oberkörper-Hüfte-Bein-Arme Balance). Mit der 1:1 Technik symmetrisch, geht es am besten. Der gesamte, korrekte Bewegungsablauf ist sehr komplex. Meine Empfehlung: egal wie schnell ihr seid, nehmt euch einen guten Lehrer, der euch dabei unterstützt. Es lohnt sich!

Ich gurke also langsamer auf den Loipen, übe jedes Mal konsequent das lange Gleiten in der 1:1 Technik und versuche den dynamischen Schwerpunkt so lange wie möglich zu halten. Zehn bis fünfzehn Minuten pro Laufeinheit üben lohnen sich. Außerdem übe ich mit Hilfe des Halbschlittschuhsritts mit und ohne Stockeinsatz abwechselnd links und rechts die richtige Balance zu finden. Das mache ich abwechselnd mit meiner Liebsten – wir korrigieren uns gegenseitig und danach genießen wir die neugewonnene Gleitfähigkeit auf dem Schnee. Ich weiß es ist unter den Sportlern verpönt die Technik zu üben. Lieber nutzen sie die Zeit indem sie einfach den Sport ausüben. Ich finde es schade, denn ich finde es wichtig sich immer wieder mit der Technik und dem Eigenvermögen auseinanderzusetzen. Ich meine, das ist eine Art von Achtsamkeit, gegenüber sich selbst und der Sportart.

Für die, die es nicht verstanden haben, hier nochmals in einfacher Sprache.

Wer wie ein wildgewordener Ochse beim Skilanglauf viele tiefe Furchen in den Schnee einstampft, vergeudet unnötig Energie. Löcher und Furchen stampfen kosten Kraft. Wer leichtfüßig lange sanfte Schritte in eine Vorwärtsbewegung umsetzt, schont sich und die Loipe. Auf Dauer wird er im Endeffekt nicht nur weiter kommen, sondern auch schneller sein.

Ein Gedanke zu „Skilanglaufen – Dynamischer Schwerpunkt“

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