Skilanglaufen skaten, klassisch oder beides

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entspannt und glücklich / lieber sauber als gehetzt auf der Loipe

Um es vorweg zu nehmen, ich bin kein Skilanglaufexperte, sondern ein Laufexperte. Trotzdem habe ich zwei Augen, die biomechanisch auf Statik und Dynamik geschult sind. Ich verfüge über eine Menge Erfahrung mit Sport als Trainer und habe mich sehr intensiv mit der Materie rund um Sport und Training beschäftigt. Ich verstehe die Bewegung, welche Kräfte entstehen und was es mit Sportlern macht. Ich weiß, wie wichtig es ist eine Leistung abzusichern, welche koordinative Fähigkeiten vorhanden sein müssen und auch wie Training funktioniert. Wenn ich also eine fremde Sportart beobachte, fällt mir schon einiges auf.

Wir waren heuer viel Langlaufen. Klar, dass wir nicht die einzigen waren. Ich liebe Vielseitigkeit und Abwechslung, vor allem wenn es um die vielfältige Lauftechnik beim Skilanglaufen geht. Früher bin ich nur klassisch gelaufen. Gerne denke ich an meine Runden in Ravensburg, die mit ewig langen Skiern quer durch die Pampa verliefen. Skaten kannte ich nicht. Seit einigen Jahren beobachte ich, dass nur langsame und ältere Semester gemütlich die gespurten Loipen benutzen. Das soll nicht als eine Abwertung dieser Sportler verstanden werden, ich finde es großartig, wenn Menschen jeglicher Leistungsklassen sich sportlich betätigen. Ich will auch im hohen Alter meine gemütlichen Runden drehen. Aber zurück zu meiner Beobachtung. Die meisten Läufer skaten jetzt. Ist ja auch soweit ok, aber es ist sehr auffällig wie schlampig sie skaten. Sie powern wie die Irren, schnaufen wie Dampfloks und kommen sich supercool vor. Auch das wäre noch ok. Was ist nicht ok? Nun, sie fahren mit nur einer von fünf Skate-Techniken und verbreiten dabei den Eindruck, dass sie weltmeisterlich unterwegs sind. Wahrscheinlich beherrschen sie nur diese eine Technik. Bevor ich mit dem Skaten anfing, habe ich mir einen Überblick verschafft, was es so alles gibt.

 

Schlittschuhschritt

Ich versuchte zunächst den Schlittschuhschritt. Ich kann ganz passabel Schlittschuhlaufen, da ich in meiner Jugend viel geübt habe. Mit den Langlaufskier konnte ich es am Anfang überhaupt nicht. Äußerst frustrierend war das und auch teilweise schmerzhaft, wenn ich mal wieder auf die Schnauze gefallen bin. Aber ich habe mich durchgebissen und sogar bergauf und bergab geübt. Bis ich es einigermaßen konnte, verging viel Zeit. Ohne Stöcke lernt man das Balancieren eher und kompensiert nicht Fehler durch wildes Fuchteln mit den Stöcken. Bis die notwendige Koordination und das Gleichgewichtsgefühl sich entwickelt, braucht es Übung. Mit den Stöcken fängt man sich ab, kompensiert die fehlende Körperbeherrschung und lernt dabei nicht den dynamischen Schwerpunkt richtig zu finden. Daher Stöcke weg, oft hinfallen, wieder aufstehen und weiterüben. Als ich endlich nach einigen Übungsstunden ein sicheres Gefühl hatte, habe ich die Stöcke in die Hände genommen.

 

1:1 Technik symmetrisch

Danach habe ich mir die 1:1 Technik angeeignet. Ich fand es als logische Folge richtig so, obwohl die 1:1 Technik als sehr lernaufwendig angenommen wird. Bei jedem Beinabstoß werden beide Stöcke parallel eingesetzt. Das kostet richtig power und vor allem, muss man sehr im Gleichgewicht und koordiniert bei dem Bewegungsablauf sein. Man wendet diese Technik in flachem Gelände an, um Geschwindigkeit aufzunehmen, oder wer sehr fit ist, auch bei leichten und mittelschweren Anstiegen. Diese Technik bedeutet viel Arbeit, viel Zeit und viel Geduld, bis man nicht nur frustriert herumkeucht, sondern tatsächlich auch vernünftig vorankommt. Ich habe sehr lange getüftelt, wie die Kraftübertragung durch die Beine richtig umgesetzt wird. Das die Kraft nach einer anfänglichen Gleitphase von der Ferse des Fußes konstant und kraftvoll erfolgt, war mir schon klar. Nur die Umsetzung viel mir sehr schwer. Das Problem ist, dass es nicht so einfach ist immer den Körperschwerpunkt mittig über den Ski zu halten. Ich viel oft durch den Dopplestockeinsatz nach vorne vor, was mich eher bremste. Das schwierige an dieser Technik ist die komplexe Synchronisierung unterschiedlicher Bewegungsabläufe von Armen und Beinen. Die Beschleunigungen sind nicht sehr leicht aufeinander abzustimmen. Daher gibt es kaum Skater, die das machen. Das bleibt den Profis vorbehalten, weil sie wirklich extrem von der 1:1 Technik profitieren. Ich finde das nicht gut, denn auch wenn ich alles andere als ein Profi bin, liebe ich diese Technik. Du wirst oft von jenen mitleidig belächelt, die mit einem Affenzahn an dir vorbeiziehen – natürlich nicht in der 1:1 Technik! Die fragen sich sicherlich, wozu machte der Depp da auf 1:1, der kommt ja eh nicht weg von Fleck.

 

2:1 Technik symmetrisch

Dieser Schritt komm von ganz alleine, wenn man in der 1:1 Technik zu schnell wird und die Arme keine Chance haben eine so hohe Frequenz mitzumachen. Man lässt einfach einen Stockschlag aus. Die Stöcke werden gleichzeitig bei jedem zweiten Beinabstoß eingesetzt. So läuft man im flachen oder leicht abfallenden Gelände, um die Geschwindigkeit zu halten oder zu beschleunigen. Ich zwinge mich die Beine, die den Stockeinsatz begleiten, zu wechseln. Das ist richtig schwer am Anfang, denn man neigt dazu immer mit dem gleichen Bein zu beginnen. Klar, das macht mich nicht schneller – dafür übe ich mein Gleichgewicht und meine Koordination beidseitig. Warum das? Nun, weil es mir wichtig ist, nicht einseitig zu werden. Hier kann man so richtig die Beine einsetzten und das Gleiten üben. Mit der Zeit spürt man regelrecht, dass man richtig ökonomisch wird.

 

Diagonal Technik

Diese Technik wird eingesetzt, wenn man komplett außer Atem ist und mit den letzten Kräften bergauf laufen muss. Die Stöcke werden einzeln eingesetzt, und zwar gleichzeitig mit dem gegenüberliegenden Ski. Dieses Gegurke übe ich nicht, das kann ich auch so, denn ich bin oft komplett fertig mit meinen Trainingseinheiten.

 

2:1 Technik asymmetrisch

Dieser Schritt sollte fast ausschließlich verwendet werden, wenn es bergauf geht – sollte man meinen. Powerläufer gehen immer mehr dazu über, solange wie möglich in der 1:1 Technik Steigungen zu erklimmen. Aber wie geht die 2:1 asymmetrische Technik? Die Stöcke werden gleichzeitig bei jedem zweiten Beinabstoß eingesetzt. Ein Arm führt dabei und greift ein Stück weiter nach vorne. Das bedeutet, dass der Oberkörper leicht verdreht wird. Hier habe ich beobachtet, dass die meisten Langläufer die Stöcke nicht gleichzeitig, sondern eher zeitversetzt nacheinander eingesetzten und stark den Oberkörper dabei in eine Richtung verdrehen. Genau diese Technik verwendet so ziemlich jeder Skater, den ich beobachtet habe. Egal wann, bei welchem Gelände, ob bergauf oder bergab, sieht man die Leute nur so laufen. Ganz ehrlich, das ist einfach nur Scheiße! Klar sind sie schnell, klar fahren sie mir auf und davon und ganz klar, kommen sie sich supercool vor. Leute, das ist wie beim Sex – ihr könnt immer nur die gleiche Stellung, ein Quicky nach dem anderen ohne jegliche Abwechslung. Das ist nicht nur langweilig, sondern auch ungesund. Irgendwann seid ihr so einseitig, dass ihr nur noch eine Sache beherrscht und körperliche Probleme bekommt.
Jetzt bin ich dabei diese letzte Technik auch zu lernen. Die habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben und ist wirklich nicht schwer zu lernen, wen wundert es.

 

Der Klassische oder nordische Stil

Mit dem klassischen Stil soll man kraft- und konditionsschonender laufen können, habe ich irgendwo gelesen. Das halte ich nur bedingt für richtig. Wenn ich richtig powere, finde ich es mindestens genauso anstrengend, wenngleich insgesamt langsamer. Ich liebe den klassischen Stil, weil er dem Laufen sehr ähnlich ist und auch das Impulsverhalten beim Abstoß schult. Ich habe sehr viel länger gebraucht eine saubere Lauftechnik beim klassischen Langlaufen zu lernen als beim Skaten. Das ist sicher nicht nur der Grund, warum die meisten nur noch skaten. Die wollen nur schnell und cool sein. Ach, ist das traurig liebe Leute, dabei ist Skilanglaufen eine unglaublich elegante und ästhetische Sportart – so richtig sexy. Nur mit der bescheuerten schiefen asymmetrischen Technik, wird dieser Sport verunstaltet. Warum muss immer nur die Leistung durch „wie viele Kilometer ich geschafft habe“ definiert werden. Ganz ehrlich, nach drei bis vier Stunden Skilanglaufen bin ich total ko und megaglücklich, vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, mich weiterentwickelt und was Neues gelernt zu haben. Klar – immer beides im Sinne, skaten und klassisch.

 

Schlusswort

Es gibt schon sehr gute Skilangläufer, die alles beherrschen und nicht profimäßig unterwegs sind. Gestern habe ich einen einzigen gesehen, der echt was draufhatte. Der war technisch super und auch schnell. Wahrscheinlich war es ein Skilehrer. Ich glaube ich werde mir nächstes Jahr einen Skilehrer gönnen. Ganz ehrlich, ich möchte mich nicht mit anderen battlen, dazu bin ich schon zu alt. Aber ich möchte es einfach gut können.

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