Wie zum Teufel schaffe ich es mich zu verändern? Teil 2

Gibt es auch als Podcast.

Teil 2: Veränderungswunsch finden und präzisieren:

Im ersten Teil habe ich bereits eine erste Idee von meiner Veränderung definiert:

Ich möchte für mich eine Ebene verändern, nämlich die Extraversion. Nein, ich möchte nicht wie die meisten Menschen noch extrovertierter werden, sondern weniger. Wenn ich mal loslege, bin ich extrem gesellig und gesprächig. Ich bin sehr spontan und schlagfertig und neige dazu, andere Mitmenschen zu überrumpeln. Das wird mir oft als Bedürfnis nach Anerkennung, Macht und Einfluss vorgeworfen, was nicht zu mir passt. Daher strebe ich nach mehr Zurückhaltung im Kontakt mit anderen Menschen. Damit würde ich mich viel wohler und stimmiger fühlen.

Im ersten Beitrag ging es aber eher darum, die eigene Persönlichkeitszusammenstellung durch ein Testverfahren einzuschätzen. Dabei haben wir Informationen über fünf Persönlichkeitseigenschaften (Big-Five) und 3 Bedürfnisse erhalten. In meinem Fall war ich in den Persönlichkeitsbereichen:

  • Emotionale Stabilität
  • Gewissenhaftigkeit
  • Verträglichkeit und Beliebtheit

in der Norm und in den Bereichen:

  • Extraversion
  • Offenheit

außerhalb der Norm.

Außerdem habe ich ein sehr geringes Bedürfnis nach Anerkennung & Leistung sowie ein geringes Verlangen nach Sicherheit und Ruhe. Mein Bedürfnis nach Macht und Einfluss liegt im Bereich der Norm.

Wie geht es jetzt weiter mit meiner Entscheidungsfindung für den Veränderungswunsch?

Als ersten Schritt würde ich das Ergebnis der Testung mit meinem subjektiven Eindruck meiner Persönlichkeit vergleichen. Kann ich mich im Ergebnis wiederfinden, passt es zu mir und identifiziere ich mich damit? Oft ist unsere Wahrnehmung wie wir gestrickt sind komplett anders als die Ergebnisse eines Persönlichkeitstests? Diese Grundfragen sollten zunächst geklärt werden. Differieren die Testergebnisse von meinen eigenen Vorstellungen zu stark, dann macht es wenig Sinn diesen Weg weiter zu verfolgen. Natürlich ist die Frage berechtigt, warum die Ergebnisse nicht meinen Vorstellungen entsprechen. Es gibt viele Erklärungen, die auch ganz unterschiedliche Ursachen für die Diskrepanz beleuchten. Ich möchte hier nur auf eine, aus meiner Sicht häufige Erklärung eingehen. Es geht um die Diskrepanz der Vorstellung, wie ich mich selbst wahrnehme und meinem tatsächlichen Verhalten. Hier kommen wir mit den Persönlichkeitskategorien der Big-Five nicht weiter. Das ist auch nicht die Aufgabe eines Persönlichkeitsmodells solche Problemstellungen zu erfassen. Dafür müssen wir die beschriebene Ebene verlassen und in die problemorientierte Ebene wechseln. Es handelt sich um die psychiatrische oder auch psychotherapeutische Betrachtungsweise, die uns hier weiterbringt. Keine Angst, dass werde ich hier nicht tun. Es geht mir darum eine Erklärung zu liefern, was für Möglichkeiten bestehen, wenn das eigene Selbstbild soweit weg von der Realität abweicht. Menschen, die so aufgestellt sind, wirken sehr auffällig im Verhalten. Ein gutes Beispiel ist Expräsident Trump. Oft ist Einsicht ein Fremdwort für solche Menschen. In der Fachsprache spricht man von fehlender Introspektion, eine Fähigkeit, die als Grundvoraussetzung für einer reife Persönlichkeit vorhanden sein muss. Jetzt bin ich am Punkt. Wer sich verändern möchte, sollte introspektionsfähig sein, ansonsten ist jeglicher Versuch zum Erfolg zu gelangen, so gut wie nutzlos. Introspektionsfähigkeit bedeutet, dass man sich selber in Frage stellen kann, oder mit anderen Worten das eigene Erleben und Verhalten kritisch betrachten kann und so zur Selbsterkenntnis gelangt.

Kann man das nicht, dann sollte man nicht versuchen an sich rumzupfuschen. Da hilft nur noch eine therapeutische Intervention.

Da ist wieder meine liebenswerte extrovertierte Art meine Meinung zu äußern. Meine Frau würde mir sagen: „das kann man auch anders sagen“. Was zeigt also mein Persönlichkeitstest? Er beschreibt mich passend – extrovertiert und offen. Wenn ich in Fahrt bin, sage ich geradeaus was ich denke. Mein Verhalten wird häufig als unhöflich und rücksichtslos empfunden. Ich nehme keine Rücksicht auf bestehende Gesellschaftsnormen und wirke dadurch rüpelhaft. Mein Wunsch meiner Persönlichkeitsänderung könnte sein, weniger extrovertiert zu sein, damit meine Mitmenschen mich besser ertragen. Im Falle meiner obigen Aussage, könnte folgende Variante erwägen.

Fehlt es an der Fähigkeit sich introspektiv infrage zu stellen, dann heißt es nicht, dass man besser oder schlechter als solche Menschen ist, die diese Eigenschaft haben. Vielleicht ist es sogar ein Vorteil, denn so hat man die Möglichkeit sich mit Hilfe eines Profis tiefgreifende Erkenntnisse zu verschaffen, die einen erst recht dazu befähigen ans Ziel zu gelangen.

Na bitte, es geht doch. Ich finde schon die richtigen Worte, das ist nicht das Problem. Die frage ist, will ich das wirklich? Will ich zuvorkommend und höflich sein, den meisten Menschen mit vorsichtig gewählten Worten begegnen, denn ich könnte das, weil ich dazu fähig bin. Entspricht das meinem Wesen und liegen nicht Änderungswunsch und Schaden an meiner Person nicht zu weit voneinander entfernt? Das ist das, was ich abwägen muss. Es geht auch hier um eine Kosten- Nutzenfrage. Ich glaube jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich aus meinem Verständnis die wichtigste Aussage dieser Abhandlung machen werde. Diese Fragen kann ich nur für mich selbst beantworten.  Wenn ich mich ändere, weil es jemand von mir verlangt oder empfiehlt, dann mache ich einen riesengroßen Fehler. Wenn dein Partner, Chef, Bekannte, Freundin von dir fordert, ändere dich, weil ich dich so nicht ertrage, oder ändere dich damit es mir besser geht, dann schick sie zum Teufel. Ändere dich nur, wenn du es für dich willst!

Ich beschließe also für mich, mich zu ändern. Ich möchte im direkten Kontakt zu Menschen zurückhaltender und weniger impulsiv sein, meine Sprache zügeln und besser auf andere Meinungen durch Zuhören eingehen. Eine schöne Aufgabe. Wie diese zu bewältigen ist, erkläre ich im nächsten Beitrag.

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