Wie zum Teufel schaffe ich es mich zu verändern? Teil 3

Gibt es auch als Podcast.

Teil 3: Die Umsetzung

„Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer.“

Johann Wolfgang von Goethe

Beziehen wir Goethes Worte auf die erwünschte Persönlichkeitsveränderung und fragen, ob die Umsetzung wirklich so schwer ist.

Ich möchte an dieser Stelle etwas ausholen um einen Gedankengang entwickeln. Das tue ich oft, um Zusammenhänge besser zu verstehen und anschließend nach Lösungen zu suchen. Am besten sucht man an aktuellen Situationen, die einen direkt betreffen. Eine Situation bietet sich jetzt an, sie springt mir förmlich ins Gesicht. Wenn ich jetzt Filme oder Dokumentationen vor der Corona-Krise anschaue, wirkt es absolut befremdlich, wie Menschen bei der Begrüßung aufeinander zugehen, sich die Hand geben oder sogar Küssen. Aus heutiger Sicht erscheint mir das seltsam und unvorstellbar.

Vor einem Jahr war es unvorstellbar bei einer Begrüßung die Hand nicht zu geben. Das war so, seitdem ich denken kann. Wir sind mit diesem Brauch aufgewachsen. Bräuche sind hartnäckige Gesellen, die schwer loszuwerden sind. Hierzu gibt es viel Wissen und Forschung. Wer sich informieren möchte, sollte von Wendy Wood das Buch, „Good Habits, Bad Habits / The Science of Making Positive Changes That Stick“ lesen. Sie beschreibt, wie man unerwünschte Bräuche loswird, beziehungsweise durch Passendere ersetzt.

Aber zurück zur Handbegrüßung. Was hat dazu geführt, dass wir diesen Brauch binnen so kurzer Zeit losgeworden sind? Vordergründig die Pandemie, aber eben nur vordergründig. Wir haben massiven Druck bekommen uns voneinander fernzuhalten. Es gab Verordnungen, Informationskampagnen, Werbung und nicht zu vergessen besorgniserregende Zahlen über Erkrankungen mit Todesfällen. Das hat uns überzeugt keinen Fremden mehr die Hand zur Begrüßung und zum Abschied zu reichen. Es war also die Gefahr selbst zu erkranken, ja vielleicht sogar daran zu versterben, die uns zwang auf diesen tiefeingefleischten Brauch zu verzichten. Wir sehen in jedem Fremden einen potentiellen Krankheitsüberträger und natürlich meiden wir diesen. Und doch, die Veränderung wurde nicht dadurch erreicht. Der Prozess der Veränderung wurde dadurch nur stark unterstützt. Um gerade diesen Prozess besser zu verstehen, nehmen wir Wendy Wood zur Hilfe. Sie hat folgendes für Bräuche postuliert. Wir verändern uns dann, wenn wir etwas was wir getan haben durch was anderes ersetzen. Das ist das ganze Geheimnis. Was uns dazu treibt uns zu verändern, wie z.B. die Angst bei der Pandemie, ist nicht das was uns verändert, sondern die Tatsache, dass wir unser Verhalten verändern. Bei der Pandemie war die Notwendigkeit uns zu verändern hauptsächlich durch den Staat mit Gesetzten und Verordnungen vordiktiert. Wir hatten keine Wahl und auch kaum einen persönlichen Anteil an Verantwortung die Veränderung durchzuführen.

Anders ist es, wenn wir uns vorsätzlich verändern wollen. Der Vorsatz ist da, ich möchte mich verändern, aber die Umsetzung…? Hier gibt es kein Entkommen wie beim kein Händegeben, hier obliegt die gesamte Verantwortung bei mir ganz allein. Deswegen bin ich bei Goethe, „…, aber die Erfüllung ist schwer“.

Wie ich schon sagte, wir verändern uns dann, wenn wir unser Verhalten verändern. An diesem Punkt scheitern die meisten Veränderungswillige. Dafür gibt es viele, ganz unterschiedliche Gründe, denn wir Menschen sind in dieser Beziehung nicht sehr geschickt. Ich möchte hier nicht so tief in die Materie einsteigen, nur eines sei erwähnt, es macht auch Sinn, dass wir so funktionieren. Diese Automatismen erleichtern uns das Leben sehr. Wir sparen dadurch viel Energie und Zeit. Stellt euch vor, wie aufwendig es wäre, jedes Mal zu überlegen, soll ich die Hand geben oder eher nicht. Oder soll ich mich in dieser Situation so der so, oder vielleicht doch ganz anders verhalten. Ich denke die Evolution hätte die Menschen schon längst aussterben lassen. Also macht es wenig Sinn uns selbst zu verurteilen, weil wir uns schwer tun, mit Verändern. Fragen wir uns lieber, wie wir es schaffen können trotz Hindernisse die gewünschte Änderung zu erreichen.

Wir müssen üben! Ja, es ist harte Arbeit. Im Training braucht man ein Trainingsplan, wenn man Erfolgreich sein möchte. Es hilft auch, wenn man die Teilerfolge dokumentiert, denn wir brauchen eine beständige Motivation, um dranzubleiben. Am Anfang fallen einem die Übungen schwer, sie sind wirklich anstrengend und erfordern viel Kraft. Über diese Zeit hilft die Anfangseuphorie die Motivation beizubehalten. Mit der Zeit lässt die Motivation nach und die Gefahr aufzugeben ist groß. Ohne Plan, ohne eine Routine, hat man kaum eine Chance weiterzukommen. In dieser Phase ist die Überwindung des inneren Schweinehundes besonders wichtig. Es geht nicht anders, hier müssen wir uns durchbeißen und jeden Tag die Komfortzone verlassen. Natürlich ist es gut, wenn wir uns dafür auch belohnen. Wenn ich mein Körper trainiere, bekomme ich eher eine Belohnung in Form von mehr Fitness oder Gewichtsreduktion oder Muskelzuwachs. Schwerer ist es mit der Persönlichkeit, denn hier ist die Belohnung nicht so schnell erkennbar. Manchmal werde ich sogar Nachteile in Kauf nehmen müssen, weil ich mich verändert habe. Wieso das? Na ja, wenn ich z.B. selbstbewusster werde, wird es vielen nicht schmecken. Bei einer Änderung der Persönlichkeit bin ich meistens ganz alleine auf mich angewiesen. Daher ist es umso wichtiger, dass ich mein Prozess von Anfang an mit viel Motivation und Disziplin sichere. Nochmals; eine gute Planung mit vielen Motivatoren und eine Dokumentation der Fortschritte sind sehr hilfreich für das Gelingen. Wenn man auch noch Verbündete hat, die einen Mut machen und unterstützen, umso besser. Aber zählt nicht unbedingt darauf.

Ich komme auf mein Veränderungswunsch zurück. Ich will im Kontakt mit anderen Menschen besser zuhören, nicht so impulsiv sein, höflicher und freundlicher werden.

Ich kann jede Gelegenheit nutzen, indem ich mich vor den Treffen darauf einstelle und bewusst vornehme mich entsprechend zu verhalten. Dabei ist es wichtig, dass ich danach mich selbst evaluiere und meine Fortschritte erkenne. Ebenfalls sollte ich mich fragen, was gut und was weniger gut war. Ich sollte mich nicht tadeln, wenn ich Fehler gemacht habe, sondern im Gegenteil, ich sollte mich für meine Bemühungen belohnen. Ich finde es sehr Hilfreich, wenn ich mir auch Gedanken mache, ob ich meinem Ziel nähergekommen bin. Ach ja, ich sollte nicht vergessen mich zu fragen, ob es mir mit meiner Veränderung gut geht. Wenn nicht, dann sollte ich es lieber bleiben lassen und der alte bleiben. Manchmal kann auch das passieren und glaubt mir, der ganze Aufwand war nicht ganz umsonst – denn ob ich es will oder auch nicht – allein durch meine Bemühungen habe ich mich  bereits verändert.

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