Wie zum Teufel schaffe ich es mich zu verändern? Teil1

Gibt es auch als Podcast.

Teil 1: Was genau möchte ich an meiner Persönlichkeit ändern.

Gerade habe ich ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung über das Thema „Psychologie & Persönlichkeit“ gelesen. Manchmal finde ich dort gute Artikel, der heutige war schlecht. Nach einer kurzen Anfangserklärung ging es folgendermaßen weiter:

Ach, wäre ich doch nur gewissenhafter, hätte mehr Selbstkontrolle und würde die Dinge gleich erledigen, dann wäre alles leichter. Oder neulich auf der Firmenfeier: Wieder nur rumgestanden wie eine vergessene Büropflanze und mit Unbehagen auf eine Gelegenheit zur Flucht gewartet. Wäre ich doch nur etwas extrovertierter, dann könnte sogar eine Feier mit den Kollegen Spaß machen.“

Weiter geht es mit der Behauptung:

Die meisten Menschen möchten gerne extrovertierter, verträglicher, offener, ausgeglichener und gewissenhafter werden. Je nach Studie äußern bis zu 90 Prozent der Befragten entsprechende Wünsche.“

Ich habe den Artikel nicht weitergelesen. Mit Sicherheit wurde auch hier später auf die Big Five verwiesen, der Grundlage für Persönlichkeitsmerkmale mit den Kategorien: Neurotizismus, Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion und Verträglichkeit. Mittlerweile geilen sich viele an diesem Modell, das bereits in den 1930er Jahren von Allport und Thurstone entwickelt wurde, auf. Ja, es ist die Grundlage für jegliche weiterführende Persönlichkeitsforschung, aber leider auch für viele unseriöse Publikationen. Aber zurück zum Thema Veränderung. Es ist mittlerweile bekannt, dass wir unsere Persönlichkeit in bestimmten Settings und unter bestimmten Voraussetzungen modifizieren können. Es ist auch bekannt, dass externe Einflüsse unsere Persönlichkeit ebenfalls beeinflussen. Starke Belastungen wie Erkrankungen, soziale Bedingungen wie die derzeitige Pandemie und Gewalteinflüsse spielen eine große Rolle für unsere Persönlichkeitsbildung. Das ist das Kapitel der Posttraumatischen Belastungsstörungen, die klarerweise uns verändern. Wir wissen noch nicht wie die Pandemie sich auf unsere Persönlichkeit auswirken wird. Meine Vermutung ist nicht sehr beruhigend für die Zukunft, aber es ist eine Vermutung, die keinerlei Bedeutung für die Wirklichkeit hat. Und hier möchte ich eine große Bitte äußern. Vermutungen sind berechtigt, weil wir auf Erfahrungswerte zurückgreifen und gedanklich daraus auf eine zukünftige Entwicklung verweisen können. Das ist gut und wichtig, denn genau das brauchen wir, um seriöse Forschung zu betreiben. Wir formulieren eine Vermutung, stellen diese in Frage (These) und danach forschen wir, ob diese Vermutung auch so der Realität entspricht. Dafür gibt es Regeln, wie diese Studien im Aufbau, der Durchführung und der Auswertung sein müssen. Diese Regeln werden in der Regel von Forschungseinrichtungen eingehalten und kontrolliert. Und warum führe ich das hier so auf, wenn es um die Frage geht ob und wie ich es schaffe mich zu verändern?

Weil ich alle Veränderungswillige dazu auffordern möchte, nach diesem Prinzip vorzugehen. Es geht nicht um die Veränderung der Persönlichkeit durch äußere Einflüsse, sondern um den Wunsch sich selbst zu verändern. Gehen wir doch strukturiert und gewissenhaft vor. Um die Anfangsfrage zu beantworten: „Was genau möchte ich an meiner Persönlichkeit ändern“, sollte ich erstmal wissen wie ich bin. Und hier ist bereits die erste gewaltige Hürde für ein Gelingen, denn diese Information ist vielleicht gefühlsmäßig, aber nicht wirklich greifbar vorhanden. Wie also sollte man weitermachen? Greifen wir auf die Big Five zurück. Wie wäre es mit einem validen und anerkannten Persönlichkeitstest, der mir mein IST-Zustand meiner Persönlichkeitsmerkmale verrät? Das ist ein guter Anfang, also machen wir den Test. Ich arbeite gerne mit dem BT5-Persönlichkeitstest von Satow,L.(2012). Big Five Persönlichkeitstest). Für sich selbst gibt es eine kostenfreie Version im Internet, wer sie wie ich beruflich verwendet, sollte eine Lizenz erwerben.

Wenn wir das Ergebnis meiner Testung als Grundlage nehmen, dann sehen wir mein Persönlichkeitsprofil. Selbstverständlich nur, wenn ich die Fragen ehrlich beantwortet habe. Wer hier schon bescheißt, kann sofort mit dem Wunsch sich wirklich weiterzuentwickeln aufhören.

Was ich sehe, ist der Vergleich meiner Persönlichkeitsmerkmale zu einer Kontrollgruppe, die im Alter und Geschlecht ausgewertet wurde. Die Ausschläge nach links und rechts deuten auf große Unterschiede zur Vergleichsgruppe. Das bedeutet, dass ich mich da von der Normalverteilung in meiner Vergleichsgruppe unterscheide.

Demnach bin ich normal in den Bereichen:

  • Emotionale Stabilität
  • Gewissenhaftigkeit
  • Verträglichkeit und Beliebtheit

Überdurchschnittlich bin ich in den Merkmalen:

  • Extraversion
  • Offenheit

Der Test liefert außer der fünf Persönlichkeitskategorien noch weitere Informationen über Bedürfnisse. Das ist eine Hilfreiche Ebene zur besseren Einschätzung der Veränderungswünsche.

Während mein Bedürfnis nach Anerkennung & Leistung, und mein Bedürfnis nach Sicherheit & Ruhe gering sind, liegt mein Bedürfnis nach Macht & Einfluss im Normalbereich.

Jetzt, wo ich weiß, wie ich gestrickt bin, kann ich ganz gezielt meine Änderungswünsche formulieren.

 

Die gewünschte Veränderung definieren -> Zielvorgabe

Natürlich sollten machbare, realistische Ziele definiert werden und nicht zu viele Veränderungen gleichzeitig angehen. Damit werde ich mich in den nächsten Beiträgen beschäftigen. Hier gehe ich davon aus, dass ich bereits die richtige Wahl meiner Veränderung getroffen habe und nehme diesen Prozess bereits als gegeben.
Ich möchte für mich eine Ebene verändern, nämlich die Extraversion. Nein, ich möchte nicht wie die meisten Menschen noch extrovertierter werden, sondern weniger. Wenn ich mal loslege, bin ich extrem gesellig und gesprächig. Ich bin sehr spontan und schlagfertig und neige dazu, andere Mitmenschen zu überrumpeln. Das wird mir oft als Bedürfnis nach Anerkennung, Macht und Einfluss vorgeworfen, was nicht zu mir passt. Daher strebe ich nach mehr Zurückhaltung im Kontakt mit anderen Menschen. Damit würde ich mich viel wohler und stimmiger fühlen.

Jetzt, wo ich weiß wie ich bin und was ich ändern will, kann ich zum nächsten Schritt voranschreiten.

Das WIE wird Inhalt der nächsten Beiträge sein. Speziell im zweiten Teil wird es um die richtige Wahlfindung der Veränderung gehen.

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