Zwiespalt – wie geht man damit um

Wir sind in den Zwiespalt, daß wir meinen, wir müßten können, aber glauben, wir könnten nicht, wobei wir uns darum streiten, ob es nicht doch geht.
Klaus Kinkel

Zwiespalt. Ein interessanter Begriff, der sich auf vielen Ebenen anwenden lässt. Die Parabel ist eine epische Kleinform, die den Leser auffordert, etwas zu entschlüsseln. In der Parabel wird eine bildhafte Geschichte erzählt, die sich aber auf eine tiefere Ebene übertragen lässt und entschlüsselt werden muss. Viele Fabeln und Märchen können als Parabel verstanden werden. Das gilt für unser Verhalten ebenfalls. Das was wir vordergründig beobachten, hat oft eine tiefgründige Bedeutung. Während der Zwiespalt zwischen mehreren Personen deutlich abgrenzbar ist, verhält sich der Zwiespalt innerhalb einer Person viel komplexer und verborgen. Freud benannte es als Unterbewusstsein. Es folgten viele Deutungen und Erklärungsmodelle. Man kann dieses Phänomen als inneren Konflikt bezeichnen, der uns zwar in einer bestimmten Art handeln lässt, jedoch nicht im Einklang der Bildlichen mit der sachlichen Ebene. Vordergründig sehen wir etwas, das eigentlich tiefgründig anders gedeutet werden muss.

Wer das Verhalten von Menschen verstehen möchte muss kein Psychologe oder Psychotherapeut sein. Eine sehr gute Schule sind Parabeln. Wenn man sich damit beschäftigt, lernt man unheimlich viel über sich selbst und andere Mitmenschen. Hier ein Auszug der bekanntesten Parabeln

(Quelle Wikipedia)

Ich habe alle in der Schule lesen müssen. Einige habe ich nicht mehr im Sinn, andere umso mehr. Nathan der Weise mit der berühmten Ringparabel aus dem 13. Jahrhundert, die von Lessing modifiziert wurde, ist mir sehr präsent. Da geht es um einen Vater, der drei Ringe die identisch aussehen besitzt, aber nur eines davon besitzt magische Heilkräfte. Der Vater vergisst, welcher der Ringe das ist. Als er stirbt, vererbt er jedem seiner drei Söhne ein Ring. Diese streiten sich, wer nun den echten Ring bekommen hat. In der Deutung stehen die drei Ringe für die drei Religionen Judentum, Christentum und Islam. In Lessings Parabel wird später aufgelöst, dass alle drei Ringe unecht sind und der echte verlorengegangen ist. Die unechten Ringe besitzen trotzdem Heilkräfte, wenn man an sie glaubt. Hintergründig strebt Lessing die Lehre einer friedlichen Koexistenz zwischen den Religionen an.

Großartig! Zwiespalt bedeutet nicht richtig oder falsch, nicht schlechter oder besser. Zwiespalt bedeutet die Notwendigkeit zu hinterfragen und anschließend zu handeln. Das Ergebnis dieser Reflexion soll bewertet werden, nicht die vordergründige oder die tiefgreifende Bedeutung. Lessing bringt es auf dem Punkt: die friedliche Koexistenz zwischen den Fronten.

Für mich sind Parabeln eine große Hilfestellung zum Verständnis menschlichen Verhaltens, besonders für die Problematik innerer Konfliktsituationen. Verstehe ich nicht warum jemand sich so verhält, dann versuche ich die vordergründige Handlungsweise mit einer tiefgründigen Ebene zu ergänzen. Das hilft mir eine Brücke zu bauen. Gleiches gilt mit meinen inneren Konflikten. Ich möchte alle Leser jetzt auffordern über folgendes nachzudenken: Wie reagiert ihr bei inneren Konflikten. Gehört ihr eher zu denjenigen, die starr und handlungsunfähig verharren, oder zu denen die überreagieren. Vielleicht reagiert ihr mal so oder so. Meine Empfehlung ist in jedem Fall eine friedliche Koexistenz zwischen den Fronten zu erarbeiten. Danach kann man im Einklang Handeln. Ich verweise auf mein Blogartikel Wir brauchen mehr Inegrität. Dort beluchte ich was in uns vorsich geht, wenn wir zwiegespalten sind und wie wir uns wieder zusammensetzten können.

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